Schule und Bildungslandschaft im Umbruch
Fast vier Jahre ist es nun her, dass die amtierende CDU-Landesregierung, gestützt durch die CDU-Mehrheitsfraktion ihre umstrittene Grundschul-schließungsreform auf den Weg brachte. Eine Reform, die am Ende das Schicksal von über 100 kleinen, qualitativ sehr guten Dorfschulen besiegelte.

Der von mir organisierte Sternmarsch zwischen Ottweiler, Neunkirchen, Hangart, Steinbach und Fürth war der Auftakt für die landesweiten Protestaktionen der Eltern gegen die Grundschulschließungsreform der CDU-Landesregierung. Danach folgte die Gründung der Landesinitiative, zwei Großdemos in Saarbrücken und der Antrag für ein Volksbegehren
Auch zu Beginn des Schuljahres 2008/2009 wurden wieder kleinere Grund-schulen im Saarland geschlossen. Die Schließungswelle wird nach der Land-tagswahl im Saarland wohl auch bei den weiterführenden Schulformen ihre Fortsetzung finden.
Zahlreiche leerstehende Schulgebäude sind heute stumme Zeugen dieser verfehlten Bildungspolitik, die intakten Dörfern den Grundstein und den Lebensnerv entzog.

Die Grundschulschließungsreform brachte aber auch für unsere Kinder ein-schneidende Veränderungen. Größere Klassen und weitere Schulwege waren zwangsläufig Konsequenzen dieser umstrittenen Politik, die der ehemalige Bildungsminister noch heute gerne als Qualitätsverbesserung bezeichnet.

Viele engagierte Eltern hatten alles Erdenkliche versucht, die Grundschul-schließungen zu verhindern. Selbst die Gründung der Landesinitiative „Rettet die Grundschulen“, eine intensive Pressearbeit, zahlreiche Podiumsdiskussionen, mehrere Großdemonstrationen und eine eigens zusammengestellte „Bild...ungs-zeitung“, die in jeder Kreisstadt verteilt wurde, brachte die CDU-Mehrheits-fraktion und die Landesregierung nicht von ihrem Vorhaben ab.
Mit den Worten: „Wir beugen uns nicht dem Druck der Straße“ wurden die Anliegen der Eltern kompromisslos abgelehnt. Während sich 76 Prozent der Saarländer gegen die Grundschulschließungen aussprachen, versteckte sich die saarländische Landesregierung hinter ihrer parlamentarischen Mehrheit.
Auch ein von über 35.000 Unterschriften gestütztes Volksbegehren (5000 waren erforderlich) konnte die politisch Verantwortlichen nicht von ihrem Vorhaben abbringen.
Es klingt schon wie Hohn wenn die gleichen Leute nun, im Vorfeld des Land-tagswahlkampfes 2009, nun das Schulordnungsgesetz wieder ändern möchten und von einer Würdigung des Ehrenamtes sprechen. Es gibt aber auch noch weitere Knackpunkte dieser umstrittenen Bildungspolitik.
Die Kinder leiden seit Jahren unter den Bedingungen des achtjährigen Gym-nasiums (G 8). Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet dies täglich acht Stunden Unterricht und unausgegorene Lehrpläne. Was nun als „Bildungs-offensive“ angepriesen wird, ist das Ergebnis dieses missglückten G8. Für viele eltern zudem noch sehr enttäuschend: Die Landeselternvertretung der Gymnasien schweigt. Der bisherige Vorsitzende des Gremiums und sein
Stellvertreter reagierten nicht auf die Kriterien und Beschwerden der Eltern, die ich zuvor an das Gremium weitergeleitet hatte. Eine Antwort blieb bis heute aus.
Wenn schon gewählte ehrenamtlich tätige Elternvertreter so mit den Wählern umgehen darf man sich über den Arbeitsstil unserer hauptamtlichen Volksver-treter nicht wundern.
Ist das, was hier unseren Kindern vorgemacht wird, Demokratie? Gebrochene Wahlversprechen, durchschaubare populistische Schwenks und undurchschau-bare Entscheidungsprozesse im parlamentarischen und föderalen System er-gänzt durch zahlreiche unklare Verantwortlichkeiten.
