Kein Energiekonzept für die Zukunft?
Die Inflationsangst geht um in der Bundesrepublik Deutschland. Mit den Lebenshaltungskosten wird auch der Preis für Benzin und Strom weiter steigen. Rohstoffe werden knapp und somit immer teurer. Hier stellt sich die Frage, wer soll das bloß noch bezahlen?
Dort wo Ängste herrschen gibt es oft jemanden, der sie noch ein bisschen schürt – im eigenen Interesse. So auch die aktuelle Debatte um den Ausstieg aus der Atomkonsens, angezettelt von den Energiekonzernen mit freundlicher Unterstützung der CDU.
Es ist noch nicht lange her, dass eine rot-grüne Bundesregierung das schrittweise Ende der Atomenergie in Deutschland beschlossen hat. Sie tat dies im Konsens mit den Energieriesen, die in Deutschland derzeit noch 17 Atomkraftwerke betreiben. Sie liefern immer noch zirka ein Fünftel des heute benötigten Stroms und wollen auch weiter daran verdienen.
Dazu nutzen sie die Ängste der Menschen und wecken die Hoffnung, der Strom werde billiger – vorausgesetzt wenn das Land länger an der Atomkraft festhalte. Die Atommeiler sind Gelddruckmaschinen, denn pro Tag bringt einer von ihnen eine Million Euro ein. Die CDU spielt dieses Atomspiel gerne mit und hofft auf die Stimmen der verunsicherten Bevölkerung. Mit dieser Politik wird auch die SPD stark gespalten.
Meine Meinung: Dies ist eine riskante Strategie. Was alles gegen Atomenergie spricht wissen wir seit mehr als 30 Jahren. Eine Technik, die von Menschenhand bedient wird, kann nie hundertprozentig sicher sein. Fehler können hier gleich zur Katastrophe führen. Von der Frage, wo der Atommüll sicher lagern soll, ganz zu schweigen. Nur wenige Kilometer von unserer Landesgrenze entfernt, in Lothringen, plant unser französischer Nachbar die Errichtung zweier Endlager für atomare Brennstäbe. Ein Vorhaben, das es zu Verhindern gilt.
Die Steinkohle wird auch in Zukunft ihren Platz bei der Energieversorgung haben
Ohne heimische Kohle wird Stromproduktion teurer
Angesichts immer neuer Rekordstände bei Strom, Öl und Gas werden endlich Konzepte für den Energiestandort Saarland und somit wirksame Maßnahmen gegen die überhöhte Energiepreise gebraucht. Medienberichte zur Folge müssen die Saarländer beim Sprit und Gas besonders hohe Preise im Bundes-vergleich zahlen. Hohe Energiepreise sind für die Verbraucher ein Riesenpro-blem und gleichzeitig ein Hemmschuh für die Konjunktur.
Bleibt zudem der Appell an die Vernunft der Volksvertreter in Berlin, sofort zur alten Pendlerpauschale zurückzukehren. Gerade diejenigen, die besonders unter den hohen Benzinpreisen leiden müssen entlastet werden und das sind die Berufspendler. Wer auf Kosten der Steuerzahler die Bundesbahn erster Klasse nutzt, sich kostenlos der Inlandsflüge bedienen kann oder ein Dienstfahrzeug mit Chauffeur zur Verfügung hat, wird mit dieser Problematik nicht konfron-tiert. Auch die Stromproduktion im Saarland ist nach dem von der Landesre-gierung verfügten Kohle-Abbaustopp technisch schwieriger und damit teurer geworden ist.

Immer wieder demonstrierten die Bergleute in den vergangenen Jahren für den erhalt ihrer Arbeitsplätze. Dieses Foto zeigt eine Aktion in der Landeshauptstadt vor der alten Bergwerksdirektion Saarbrücken. Bei allen Aktionen war stets Kreativität mit dabei: Hier ein selbst gebautes Fördergerüst auf einem mobilen Untergrund.
Wenn jetzt die in den saarländischen Kraftwerken notwendige Kohle zum großen Teil vom Weltmarkt importiert werden muss, statt vom Bergwerk vor der Haustür, wird der Strom am Ende ebenfalls teurer.
Die Zeche zahlen dann ebenfalls wieder die Verbraucher.
Heimische Energieressourcen effektiver nutzen
Heile Welt im Aufsteigerland an der Saar. Während auf dem Weltenergiemarkt große Verunsicherung herrscht, kommt bei uns der Strom ja aus der Steck-dose . Explodierende Preise für Kraftstoffe und Heizöl sprechen Bände. Währ-end Rentner bereits Darlehen aufnehmen um die Heizperiode zu überstehen hält die Politik in Sachen Energiekonzept der Zukunft nur wenig dagegen.
Man meint, der politische Beschluss, sowohl den Bergbau als auch die Atomener-gie zu beenden, betreffe das Saarland relativ wenig. Dass die Kohle unsere Republik in der Nachkriegszeit wieder auf Vordermann gebracht hat, ist eben Geschichte.
Bisher wurde der Bergbau mit staatlichen Subventionen unterstützt. Warum hält die Politik aber gerade jetzt, wo es auf dem Weltenergiemarkt heiß her geht, die Rohstoffe knapp werden und der Importkohlepreis steigt, am Auslauf fest. Seit 1999 redet die Landesregierung vom Endszenario für den Saarbergbau. Nach dem Erschütterungsereignis vom 23. Februar ist sie diesem Ziel auch näher gekommen. Doch wo ist das Konzept für den Energie-standort Saar?
Kürzlich kontaktierte mich ein Prokurist des Frankfurter Unternehmen Lurgi und bot an, im Rahmen einer Podiumsdiskussion ihre Tätigkeitsfelder vorzu-stellen. Lurgi könne als Spitzenreiter in Sachen Neuentwicklungen auf eine mehr als hundertjährige Erfahrung in Anlagenbau und Verfahrenstechnik zurück-blicken. Während in Asien vorrangig neue Technologien zur effizienten Nutzung von Kohle und Biomasse erforscht werden, gibt es jedoch in Deutschland keiner-lei energiepolitische Impulse. China möchte seine einheimische Kohle effizienter nutzen. Kohlevergasung und –verflüssigung erfahren eine Renaissance.
Im Angebot: Vollständiger Service von der Grundlagenplanung bis zum Bau der schlüsselfertigen Anlagen mit einer Vielzahl von Referenzen für alle wichtigen Verfahrensschritte. Vor Jahren ein noch aufwändiges und teures Verfahren, ist die Technologie der Kohleverflüssigung in Zeiten knapper werdender Rohstoffe und stark steigender Öl- und Gaspreise inzwischen ein wirtschaftlicher Weg zur Ölgewinnung. In Südafrika stammt ein Drittel des getankten Kraftstoffs aus Kohle. In China und den USA wurden große Investitionsprojekte beschlossen.
Flüssige Kohle tanken?
Auch im heimischen Schiefer steckt Öl. Ein Zementhersteller in der Schwäbi-schen Alb verwendet den regionalen Ölschiefer als Substanz und kann so durch den Einsatz eines speziellen Verfahrens 95 Prozent seines Energiebedarfs selbst decken. Aber auch im Bereich der Erdwärmenutzung ist Bewegung zu verzeichnen. Überall in Europa wird in Forschung und Entwicklung investiert.
Nur nicht in Deutschland. Hier könnte das Saarland eine führende Rolle über-nehmen. Erdwärme und Grubengas sind hier genügend vorhanden. Die Politik ist gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.
Statt Blockadepolitik wäre Klinkenputzen angesagt. Die Geothermie ist die in dem oberen Teil der Erdkruste gespeicherte Wärme. Sie kann sowohl mit Hilfe von Wärmepumpen direkt genutzt werden, als auch zur Erzeugung von elek-trischem Strom. Die aussichtsreichsten Standorte für Geothermieanlagen zur Stromerzeugung ist die Region um Karlsruhe. In Bad Urach wurden Probebohr-ungen durchgeführt. Derzeit befindet sich das Projekt in einer zweiten Erkun-dungsphase.
Nutzung von Erdwärme: eine Alternative?
Warum passiert so etwas nicht im selbsternannten Aufsteigerland an der Saar? Weltweit arbeiten Forscher und Unternehmen daran, neue Konzepte zu ent-wickeln, die die Abhängigkeit von der traditionellen öl-, kohle- und erdgas-basierten Stromerzeugung verringern.
Sie sollen zugleich umweltfreundlicher sein und die nationale Sicherheit durch die Energie-Selbstversorgung steigern. Insbesondere im Bereich der Kohlever-gasung- und verflüssigung sowie der Biomassevergasung zur Stromerzeugung und zur Kraftstoffgewinnung wurden vielversprechende Fortschritte erzielt.
Diese nicht auf herkömmlichen Konzepten beruhenden Verfahren haben alle das gleiche Ziel: Sie sollen zu einer Verringerung des Rohöl- und Erdgas-konsums durch die Gesellschaft beitragen, denn die fossilen Brennstoffe werden mit jedem Jahr nicht nur knapper und teurer, sondern bringen offenkundig auch komplexe und kostspielige umwelttechnische Probleme mit sich, die von der Erzeugung von SO2- und NOx-Emissionen bis hin zum Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen reichen.
Die Verringerung der Abhängigkeit von Ölimporten aus dem Ausland, insbe-sondere aus politisch instabilen Regionen der Welt, stellt viele Staaten in zukunft vor große Probleme. Umdenken ist angesagt. Benzinpreise von fast 2 Euro, Darlehen für Rentner, um die Öltanks zu füllen und Kraftwerke, die aufgrund Kohlemangel abgeschaltet werden mussten sind Alarmzeichen die man nicht ignorieren sollte. Schon ein heißer Sommer mit wenig Nieder-schlägen hätte schwerwiegende Konsequenzen. Sinkende Pegel machen die Flüsse für Importkohlekähne unpassierbar. Atomkraftwerke beklagen Kühl-wassermangel und die Windräder stehen ebenfalls still.

Ob dann der Strom noch aus der Steckdose kommt sei mal dahin gestellt. Das Saarland hat hier kein Konzept. Statt Ausstiegsbeschluss brauchen wir Energiequellen in allen Richtungen. Die Politik muss ohne ideologische Scheuklappen handeln.
Ziel muss es sein, die günstigste Methode zu finden und CO2 zu vermeiden. Letztlich werden sich nur solche Techniken der Energieerzeugung international durchsetzen - und darauf kommt es ja gerade bei der CO2-Vermeidung an.
Energien die ohne Subventionen auskommen sind machbar. Auch mit heimischer Kohle. Man muss es nur politisch wollen. Es kann nicht Aufgabe sein, einzelne Energiesparten, wie die Windkraft, mit Dauersubventionen zu päppeln während man an anderer Stelle Milliardengräber schaufelt.
Das größte „Kraftwerk“ ist noch gar nicht am Netz. Ich meine das Energie-sparen. Beginnend mit der Energiesparlampe bis hin zum Dreiliterauto. Hier müssen schnellstmöglich Konzepte her: Für Europa, Deutschland und die Region an der Saar. Wer glaubt, bei uns kommt der Strom auch zukünftig ohne Probleme aus der Steckdose, der wird sich noch wundern.
Glückauf
Energiestandort Saar

