Tiefflüge und Fluglärm im nördlichen Saarland
Mein Wohnort Steinbach bei Ottweiler liegt genau in der Einflugschneise des Militärflugplatzes in Ramstein.
Im idyllischen Garten relaxen ist nur selten möglich. Denn genau über unserem Grundstück herrscht reger Flugverkehr.
Dies wäre weiter nicht so schlimm aber man beobachtet oftmals dass die großen Transportflugzeuge irgendetwas ablassen.
Ich habe ohnehin einen etwas reservierten Bezug zum Flug-hafen Ramstein. Im Jahre 1988 kaufte ich mir einen neuen PKW und machte damit eine Spritztour nach Rheinland-Pfalz. Auf der autobahn sah man schon von weitem Militärmaschinen, mit denen Piloten ihre Kunststückchen demonstrierten.
Ich fuhr Ramstein ab und stellte meinen neuenWagen in eine freie Parklücke. Nur der Durchsage, die in fünf Sprachen er-folgte ist es zu verdanken, dass ich im Bereich der Laut-sprecheranlage wartete. Dann kam die Ankündigung, es käme nun die italienische Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori"
Es war ein heißer schöner Sommertag. Rund 350.000 Menschen waren aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland an diesem 28. August 1988 ange-reist. Viele technikbegeisterte Väter bestaunen mit ihren Kindern die ausge-stellten Militär-jets und warten auf die Flugvorführungen. Die italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" startet.

Einer der spektakulären Höhepunkte ist die Flugfigur "das durchstoßene Herz". Dabei rast ein Solopilot auf die anderen Maschinen zu, kurz vorher drehen diese ab.
Um 15.44 Uhr kommt es zur Katastrophe: Solopilot Ivo Nurarelli erreichte mit seinem Jet vier Sekunden zu früh, zu nah und in zu tiefer Flugbahn den Kreuzungspunkt der Flugfigur. Dadurch prallt sein Flugzeug mit zwei weiteren zusammen. Eine brennende Kerosinwolke rast auf die Zu-schauer zu. Ich mitten drin.

Zwei Flugzeuge zerschellen parallel zur Start- und Landebahn. Nurarellis Maschine schlägt etwa 50 Meter vor der Absperrung auf, rast in die Zuschauermenge und explodiert.
Alles passiert in wenigen Sekunden, die Zuschauer habe keine Zeit zu fliehen. 31 Menschen sterben noch an Ort und Stelle, 39 weitere Zuschauer erliegen in den nächsten Stunden und Tagen ihren schwersten Verletzungen. Über 1.000 Besucher werden verletzt. Ich hatte Glück im Unglück. Da ich an der Laut-sprecheranlage abgewartet hatte stand ich unmittelbar hinter einem Wall. Kerosin brannte auf meinen Armin und im Hals. Am Unglücksort herrscht totales Chaos.


Ort des Grauens: Flughafen Ramstein 1988
Verletzte irren unter Schock über das Gelände und suchen Angehörige und Freunde. Verzweifelte Retter bemühen sich um die Opfer. Das Flugschau-Unglück von Ramstein geht nicht zuletzt wegen vieler schwerwiegender Pannen beim Rettungs-einsatz in die Geschichte ein. So lassen die Amerikaner die vor der Wache aufgefahrenen Rettungskräfte nicht sofort auf den Flugplatz. Andere, wie das THW aus Kaiserslautern, werden gar nicht erst gerufen. Der Rettungsfunk bricht zusammen.
Die Injektionsnadeln der deutschen Helfer passen nicht auf die Infusionen der Amerikaner und umgekehrt. Während Notärzte des Roten Kreuzes die Verletz-ten vor Ort ver-suchen zu stabilisieren, transportieren die Amerikaner sie ohne Erstversorgung sofort in nahe gelegene Kliniken.
Ich wollte den Flughafen verlassen, doch keiner durfte raus bis alle Rettungs-fahrzeuge das Gelände verlassen hatten. Wegen mangelnder Ortskenntnis verirren sich mehrere Trans-porte.
Die Flugschau-Katastrophe von Ramstein wirkt bis heute. Die Rettungskonzepte von amerikanischem Militär und deutschen Behörden wurden aufeinander abge-stimmt; es gibt gemein-same Katastrophenübungen. Kunstflug-Vorführungen in Deutschland wurden erst 1991 unter strengen Auflagen wieder erlaubt.
Bei dem Unglück am 28. August 1988 starben 70 Menschen. Darunter alle drei beteiligten Piloten. Über 1.000 Menschen wurden verletzt. Auch 20 Jahre nach den Ereignissen lassen die Erinnerungen an die Tragödie die Beteiligten nicht los.
Deshalb mein Appell an die Politik:
Keine Kunst-, Tief- oder Übungsflüge über Wohngebieten !!!