Lohnt sich Ehrenamt im Saarland?
Verfolgt man derzeit die Medienberichterstattung,so könnte man ver- muten,im Saarland sei die Welt - zumindest was Ehrenämter betrifft, in Ordnung. Der Landesvater persönlich singt Lobeshymnen über ehren-amtlich tätige Bürger.
Weil Ehrenamt gut ist, soll es zukünftig eine besondere Würdigung erfahren. Von Sonderurlaub bis hin zur Verbesserung des Ver- sicherungsschutzes - hier sollen engagierte Bürger schon bald Verbesserungen erfahren. Dies alles ist richtig,längst überfällig und sehr begrüßenswert.
Aber warum kommt diese Einsicht erst heute? Hat die Landesregierung plötzlich ihr Herz für das Ehrenamt entdeckt oder war und ist es einfach nur der bevorstehende Wahlkampf?
Die politische Praxis der Vergangenheit sah jedenfalls anders aus:
"Eltern wissen was für ihre Kinder am besten ist! Dies sollte auch von der Politik anerkannt werden"
Bis Ende des letzten Jahres stand ich an der Spitze einer Eltern-bewegung. Unser Ziel, Veränderungen im Bildungswesen unseres Bundeslandes herbeizuführen und die politisch geplanten Grund-schulschließungen zu verhindern.
Von den Eltern wurde viel Freizeit investiert. Auch brachte mich als Vorsitzender der Gesamtlandeselternvertretung des Saarlandes und in gleicher Funktion in der Landeselternvertretung Grundschulen zwei in die Sache ein. Doch von einer Würdigung des Ehrenamtes war bei diesen "wichtigen" ehrenamtlichen Funktionen nichts zu spüren.
Die CDU-Landesregierung lehnte mit ihrem kompromisslosen Bildungs-minister an der Spitze die Anliegen der Eltern (z.B. keine Grund- schulschließungen) kompromisslos ab.
Die damals gerade erst gewhlten Volksvertreter der Mehrheitsfraktion im saarländischen Landtag betonten bei der Umsetzung der Grundschul-schließungsreform vor demonstrierenden Familien immer wieder, man werde sich sich nicht dem Druck der Straße beugen. Über 15.000 Eltern und Kinder nahmen dies bei zwei Demonstrationen vor dem Landtag kopfschüttenld und enttäuscht zur Kenntnis.
Es waren die gleichen Parlamentarier, die nun einen kostspieligen Extra-Wahtermin für die Landtagswahl festgelegt haben und im Gegenzug immer wieder die fehlende Finanzmittel im Landeshaushalt beklagen.
Gleich drei Mal werden die Saarländer in diesem Jahr zur Wahlurne gebeten. Ein Beschluss, den wir Steuerzahler - trotz angespannter Haushaltslage - ungewollt finanzieren werden.

Als Landeselternsprecher im Focus der Öffentlichkeit. Die Anliegen der Eltern wuden sowohl bei den Grundschulschließungen als auch bei der Einführung von G8 von der Politik ignoriert.
Dieses Geld hätte man besser in die von der Landeselternvertretung geforderte Lernmittelbefreiung investiert, für Schülertransportkosten genommen oder für ein warmes Schulmittagessen ausgegeben.
Es wurden sogar kostenneutrale Forderungen der Eltern abgelehnt. So verhinderte die CDU-Mehrheitsfraktion zusammen mit der FDP- Fraktion die Novellierung des Schulmitbestimmungsgesetzes. SPD und Grüne hatten auf unsere Anregung hin eine Änderung des Gesetzes beantragt, um den gewählten Elternvertretungen eine "echte Mitsprache in der Schulpolitik" zu geben.
Fazit: Bei Mitbestimmung und Ehrenamt ist das Saarland kein Aufsteigerland. Es steht es auf einem Abstiegsplatz.
Zur Eräuterung:
Zu Gesetzesvorhaben und Verordnungen werden alle Landeseltern-vertretungen gehört. Dies steht so im Schulmitbestimmungsgesetz geschrieben. Die Gremien Gesamtlandeselternvertretung, Landes-elternvertretung Grundschulen und die Landesschulkonferenz hatte dies in der Vergangenheit immer wieder getan. Die Stellungnahmen wurden schriftlich oder in mündlicher Form fristgerecht vorgetragen.
Eine Rückkopplung gab es nie. Unsere Stellungnahmen wurden immer, ohne Angaben von Gründen, abgelehnt.
Kein einziger Fall ist bisher bekannt, wo der Bildungsminister oder seine Nachfolgerin den Eltern Entgegenkommen zeigte. Die Eltern hatten ihre Freizeit investiert und da wäre es Sache des Anstands gewesen, auch einmal über die Ablehnungsgründe zu informieren.
Auf der Seite "Gute Ideen" sind einige Punkte - im Detail erläutert. Auf der Homepage der (ehemaligen) Gesamtlandeselternvertretung sind ebenfalls Stellungnahmen der Eltern zu finden. Auch sie fanden keine Berücksichtigung bei der Politik.
Protestaktionen und ehrenamtliche Engagement hatten nichts genutzt. Die kleinen, qualitativ guten Grundschulen wurden geschlossen, die Klassen größer und die Lernbedingungen schlechter.
Diese politische Ignoranz war mit ein Grund, warum ich nach zwei Amtsperioden mein ehrenamtliche Engagement in der Landeselternvertretung beendete. Die Arbeit im Gremium machte Spaß. Gemeinsam waren wir ein schlagkräftiges Team, das versuchte, gemeinsam etwas für die Kinder des Saarlandes zu erreichen.
Ende 2007 war ich aus beruflichen Gründen und aus Verärgerung über diese Blockadepolitik als Vorsitzender der Gesamtlandeselternvertretung im Saarland zurückgetreten.
Unmittelbar nach diesem Rücktritt von einem "Ehrenamt" war in der Saarbrücker Zeitung von Abwahl und Vertrauensentzug zu lesen. Diese Berichte stützen sich auf anonyme E-Mails die inhaltlich nicht der Wahrheit entsprachen. Man verfolgte damit das Ziel, unsere gute Arbeit schlecht zu reden. Eine Strafanzeige gegen der Verfasser der E-Mails lief ins leere.
Trotzdem wurden diese E-Mails als Grundlage für die Berichterstattung benutzt. Zudem wurden, noch nicht durch das Gremium abgenommene, und inhaltlich verfälschte Sitzungsprotokolle in die Berichterstattung hinzugezogen. Stellen Sie sich einmal vor, dies würde in einem Vereins-vorstand passieren. Da macht Ehrenamt doch Spaß - oder ?
Vermutlich waren diese Machenschaften eine Retourkutsche gegen meine Person und die Aktivitäten gegen die Grundschulschließungsreform vor vier Jahren.
Fazit: Ob sich ehrenamtliches Engagement bei der heutigen Gesetzeslage lohnt, darüber sollte sich jeder selbst eine Meinung bilden.
Mein ehrenamtliches Engagement:
- Vorsitzender Vorschulausschuss e.V. Kindergarten Steinbach
- Mitbegründer der Landeselterninitiative "Rettet die Grundschulen"
- Vorsitzender der Elternvertretung in der Schulregion Neunkirchen
- Mitglied in der Schulregionkonferenz Neunkirchen
- Vorsitzender der Landeselternvertretung Grundschulen im Saarland
- Vorsitzender der Gesamtlandeselternvertretung im Saarland
- Mitglied in der Landesschulkonferenz
- Mitglied im Bundeselternrat
- Mitglied in diversen Ausschüssen und Kommissionen