Akzeptiere oder verändere - denn für die Vergangenheit gibt es keinen Kredit!

Thema Energieversorgung
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Ist Deutschland auf dem richtigen Weg?


Während Deutschland aus dem Bergbau aussteigen will, werden überall auf der Welt neue Bergwerke erschlossen und Kohlekraftwerke gebaut. Man könnte meinen wir leben auf einer   Insel auf der der Strom immer aus der Steckdose kommt.
 
Die Renaissance der Kohle hat längst begonnen. Bei uns droht der Fall in die Abhängigkeit.       Den Preis für diese verfehlte Energiepolitik müssen die Verbraucher schon bald teuer bezahlen.
Die Alarmsignale sind deutlicher denn je. Weltweit steigt die Nachfrage nach Kohlekraftwerken. Dubai plant in einem ersten Schritt mindestens vier große Blöcke mit einer Gesamtleistung von 4000 Megawatt. Abu Dhabi will ebenfalls Kohlekraftwerke bauen und selbst Ägypten erwägt mittlerweile den Bau einer ersten Anlage am Roten Meer.

In anderen Weltregionen sieht es ähnlich aus. Das erdölreiche Russland plant mehr als 30 neue Kohlekraftwerke – und das bis 2011. In China geht derzeit alle ein bis zwei Wochen ein neuer Kraftwerksblock ans Netz. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schätzt dass weltweit bis 2030 rund 5000 Kohlekraftwerke in Betrieb sein werden.

Kein Wunder: Eine Megawattstunde Strom mit australischer Kohle zu produzieren kostet etwa elf  Euro. Für die gleiche Elektrizitätsmenge aus einem Ölkraftwerk wäre die fünffache Summe fällig.

Hinzu kommt, dass die globalen Vorräte an Kohle, je nach Schätzung, noch mindestens 100, möglicherweise sogar bis zu 200 Jahre reichen. Die Vorkommen sind obendrein billig und teilweise so gar über Tage abbaubar, vor allem in Australien, aber auch in den USA, Südafrika, China und Russland. Entsprechend öffnet sich die Schere zwischen den Weitmarktpreisen für Öl und Gas auf der einen, sowie Kohle auf der anderen Seite immer stärker.

Und so kommt es auch, dass die Golfstaaten ein höchst lukratives Geschäftsmodell entwickelt haben: Ihr Öl verkaufen sie zurzeit zu Rekordpreisen von bis zu 140 Dollar pro Barrel an den Weltmarkt. Ihren eigenen Energiebedarf dagegen stillen sie mit billiger Importkohle, denn die Versorgung übers Meer ist unproblematisch.


Brennstoffkosten je Megawattstunde (MWh) Energieeinheit ...

... für Steinkohle 10,95 Euro
... für Erdgas 25,94 Euro
... für Erdöl 50,48 Euro


Die Golfstaaten, allen voran die Vereinigten Arabischen Emirate, gehören zu den Boomregionen der Welt: Allein die Bevölkerung Dubais soll sich bis 2015 auf 2,6 Millionen Menschen verdoppeln. Jeder Bewohner des Emirats verbraucht sechsmal so viel Energie wie der globale Durchschnitt und immerhin noch ein Drittel mehr als ein US-Bürger. Auch in Indien möchte früher oder später jeder Bürger seine Elektolampe im Wohnzimmer brennen haben.

Kohle ist damit nach Öl die zweitwichtigste Energiequelle. Mehr und mehr Kohle wird vor allem in China verbraucht, denn mit dem enormen Wirtschaftswachstum wächst dort auch der Energiebedarf. China produziert rund 82 Prozent seines Stroms mit Kohlekraftwerken. Alle sieben bis zehn Tage geht eine neue Anlage ans Netz.
Das starke Wirtschaftswachstum und die Industrialisierung zusammen mit einem höheren Lebensstandard treiben die Nachfrage nach Energie in Indien und China in die Höhe.

Mit der Weltbevölkerung steigt die Nachfrage nach Energie.  


Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis!

Gemäß dem Basisszenario der IEA werden 2030 insgesamt rund 60 Prozent der globalen Kohlenachfrage auf China und Indien entfallen – ausgehend von 45 Prozent im Jahr 2005. Um den deutlich wachsenden Energiebedarf zu decken, ist China immer mehr auf Kohleimporte angewiesen. Die Energienachfrage in Indien ist nach Angaben der IEA im Zeitraum von 2000–2005 jährlich um rund 3,2 Prozent gestiegen. Das Land ist zur Deckung seines Energiebedarfs zunehmend auf Importe angewiesen. Dies gilt insbesondere für Kohle, da die indische Wirt- schaft stark von dieser Energiequelle abhängt. Die indische Produktion reicht quantitativ und qualitativ nicht aus, um den inländischen Bedarf zu decken, weshalb der Import in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen ist.

Indien verfügt zwar über große Kohlevorkommen. Diese weisen aber üblicher- weise einen hohen Aschegehalt auf, sodass importierte Kohle hinzugefügt werden muss, um die Verunreinigungen zu reduzieren.

Eine Reihe kurzfristiger Angebotsausfälle in China, Australien und Südafrika ließ den Preis für Importkohle schon öfters schlagartig steigen. Die drei wichtigsten Ereignisse Anfang 2008 waren Überschwemmungen und Regenfälle in Australien, die zu Exportunterbrechungen führten, Produktionsausfälle in Südafrika und schwere Schneestürme in China, die ebenfalls Exportengpässe nach sich zogen.

Diese kurzfristigen Angebotsausfälle sind allesamt Symptome einer unzureich- enden Infrastruktur für den Kohletransport, und es wird Jahre dauern, diesen gravierenden Mangel zu beheben. Australien gehört mit rund 112 Millionen metrischen Tonnen (mt) zu den größten Kohleexporteuren. Angesichts stark gestiegener Exportvolumina ist die Kapazitätsgrenze des australischen Kohle-transportsystems nahezu erreicht. Die Infrastruktur für den Kohletransport aus dem Abbaugebiet Hunter Valley dürfte vorerst unzureichend bleiben.




Sichere Energiereserve ?

Kohle gibt es vorerst noch genug – jedenfalls mehr als Öl oder Erdgas. Weltweit sind es laut OECD (Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammen-arbeit) noch 909 Milliarden Tonnen. Dies würde für 164 Jahre reichen – voraus-gesetzt, der Verbrauch steigt nicht.


Die größten Abnehmer – China, die Vereinigten Staaten und Indien – besitzen die Hälfte der weltweiten Vorkommen. Russland, Australien und Südafrika haben zusammen 30 Prozent. Kohle wird vor allem in den Ländern gefördert, die auch besonders viel verbrauchen.



Der Nordschacht gehört zum Bergwerks Saar, der letzten Grube im Saarland


Auch Südafrika kann aufgrund der begrenzten Kapazität des Schienen- und Schiffstransports die wachsende globale Kohlenachfrage nicht ausreichend bedienen. Kapazitätsengpässe im Kohleterminal von Richard’s Bay dürften 2007 einen leichten Exportrückgang auf 67,2 Millionen t bewirkt haben.

Da Australien und Südafrika ihren Export kurzfristig aber nicht stark erhöhen können, muss der steigende Kohlebedarf durch eine stärkere Produktion aus Indonesien, den USA und Russland gedeckt werden. Diese dürfte jedoch nicht ausreichen, um mit dem Nachfragewachstum mitzuhalten. Kohle wird weiter eine wichtige Rolle dabei spielen, den zunehmenden globalen Energiebedarf zu decken. Eine große Herausforderung besteht allerdings darin, die durch die Nutzung ent- stehenden Treibhausgase und anderen Emissionen durch technologische Neuer- ungen, wie saubere Kohle- und Null-Emissions-Technologien, zu reduzieren.
Begünstigt durch den rapiden Anstieg der Rohölpreise bis Mitte Juli ist Kohle, welche lange Zeit im Schatten von Rohöl stand, wieder in den Fokus gerückt. Kohle ist reichlich und in wesentlich mehr Ländern vorhanden als Erdöl und Erdgas.

Die Stromerzeugung mit Kohle ist außerdem verhältnismäßig billig. Kohle ist deshalb gerade in den schnell wachsenden Entwicklungsländern Asiens für die Energieerzeugung unverzichtbar. Nachteile sind die hohen Transportkosten und die hohe Umweltbelastung. Diese dürften einem langfristigen Preisanstieg bei Kohle aber nicht entgegenstehen, weil die Ausweitung des Angebots mit der kräftig steigenden Nachfrage kaum Schritt halten dürfte.


Der Weltenergiebedarf wird steigen. Gleichzeitig sind Versorgungsengpässe vorprogrammiert. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis und genau da leisten wir uns den Luxus aus der Kohleförderung und aus der Kernenergie auszusteigen.

Die Vergangenheit zeigt, zu welch absurden Resultaten eine national begrenzte Energiepolitik führen kann. Vor nicht allzu langer Zeit hatte sich der Preis für Kokskohle und Hüttenkoks verfünffacht. Kurz zuvor hatte man in Deutschland zwei Kokereien stillgelegt und die dazugehörigen nationalen Kokskohlegruben geschlossen.



Leistet nur Deutschland seinen Beitrag im Umweltschutz?

Doch damit nicht genug. Während Deutschland seine CO2-Emissionen bis 2020  um 20 Prozent reduzieren muss, brauchen Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate ihren CO2-Ausstoß nicht zu senken. Dabei wäre es ein Leichtes, im Golf einen Teil der Energieversorgung durch Solarstrom zu decken. Schließlich lassen sich in der sonnig-heißen Wüstenregion mit einem einzigen Quadratmeter Solar-zellen mindestens 2200 Kilowattstunden pro Jahr produzieren.

In Deutschland ist es weniger als die Hälfte. Noch aber ist Solarstrom, im Ver- gleich zu Kohle, zu teuer. Ganz anders als in der Bundesrepublik, wo der Einbau von Sonnenkollektoren mit staatlichen Subventionen hoch gefördert wird.

Die Folge: In Deutschland wurden im vergangenen Jahr Anlagen mit einer Leistung von 1300 Megawatt installiert, in Saudi-Arabien und den Golfstaaten waren es nur 36 Megawatt. Würde nur ein Bruchteil der deutschen Solar-subventionen in die Golfstaaten fließen, wäre der Effekt für das Weltklima um    ein vielfaches größer.




Renaissance der Kohle

Der Kohlemarkt ist derzeit trotz großer globaler Reserven so eng wie nie zuvor und der Preis des Rohstoffs wird entsprechend steigen. Zwei wichtige Faktoren signalisieren eine Fortsetzung dieses Trends: erstens der stark steigende Kohlekonsum, insbesondere in China und Indien, und zweitens Infrastrukturprobleme in wichtigen Produzentenländern. Hauptgrund für die strukturelle Enge am Kohlemarkt ist die kontinuierlich steigende Energienachfrage, die zunehmend über Kohlekraftwerke gedeckt wird. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert in ihrem World Energy Outlook 2007, dass Kohle unter sämtlichen Primärenergiequellen den deutlichsten Nachfrageanstieg erleben wird.






 Kohletransporte zum Kraftwerk

Die Kohle hat in den vergangenen 12 Monaten eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. Innerhalb von neun Monaten hat ist der an der NYMEX gehandelte Kohlepreis (US-Sorte Appalachian) zunächst um mehr als 200% gestiegen. Im Zuge der Ölpreiskorrektur ist zwar auch der Kohlepreis seit Anfang Juli um knapp 40% gefallen. Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass die Bedeutung der Kohle in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird, was sich auch in langfristig steigenden Preisen widerspiegeln sollte:

Die Stromknappheit in China hatte bereits zur Folge, dass einige Metallproduzenten ihre Produktion drosseln mussten. Die Erhöhung der Strompreise und die Festsetzung von Obergrenzen für den Kohlepreis haben die Problematik der Stromversorgung bislang noch nicht lösen können. Daher gibt es weitere Bestrebungen, den Kohleexport zu erschweren, um den steigenden heimischen Bedarf der Kohlekraftwerke und Stahlproduzenten zu befriedigen. So wurden mit Wirkung vom 20. August eine 10%ige Steuer für Exporte von Kesselkohle eingeführt und die bereits bestehenden Steuern für Exporte von Kokskohle und Koks erhöht.



Zusammenfassung und Ausblick:


Die genannten Faktoren sprechen überwiegend für einen Anstieg der Kohlepreise in langfristiger Perspektive. In vielen Entwicklungsländern kommt es bereits zu Engpässen bei der Stromversorgung, welche vielerorts protektionistische Maßnahmen bei der Kohleverwendung zur Folge haben. Dadurch dürfte sich das Kohleangebot auf den Weltmärkten tendenziell verknappen. Zudem ist der mit Abstand größte Kohleproduzent China zum Nettoimporteur geworden. Die Kohlenachfrage in China hat sich in den letzten 10 Jahren in etwa verdoppelt. Die Erschließung neuer heimischer Kohlevorkommen dürfte damit kaum Schritt halten, zumal in den kommenden Jahren weitere kleinere Minen geschlossen werden. Vor allem in den Entwicklungsländern bleibt Kohle für die Energieerzeugung noch für längere Zeit unverzichtbar. Trotz der zunehmenden Bedeutung alternativer Energien und klimapolitischer Vorbehalte gilt dies in abgeschwächter Form auch für die Industrieländer. So ist in Deutschland der Bau von mehr als zwanzig neuen Kohlekraftwerken entweder bereits im Gang oder geplant.