Das Saarland ist ein Land der Montanindustrie. Wie kein anderes Bundesland wurde die Region durch die Kohle und Stahl geprägt. In Spitzenzeiten arbeiteten sogar 65.000 Menschen im Bergbau. Dazu kamen drei Mal so viele Arbeitsplätze in der Stahlindustrie, der Kraftwirtschaft, im Zuliefer und Dienstleistungsbereich hinzu. Der Energiestandort Saar war oft Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich. Siehe hierzu auch die Filme der Serie "Kohle der Saar" bei YouTube: Links:
Historie: Die Epochen des Saarbergbaus
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Das Bergwerk Saar, hier der Nordschacht, war eines der leistungsfähigsten Bergwerke der RAG
Erneut befindet sich das Saarland im Umbruch. Hatten noch Mitte der 70ger Jahre auf den Bergwerken Camphausen, Reden, Göttelborn, Warndt, Luisenthal und Ensdorf jeweils rund 3500 Beschäftigte gearbeitet, so sind heute bei der RAG Deutsche Steinkohle AG im Saarland insgesamt gerade einmal noch 5300 Mitarbeiter.
Eine Formel besagt, auf jeden Arbeitsplatz im Bergbau kämen immer noch zwei weitere im Zuliefer- und Dienstleistungsbereich dazu. Der Strukturwandel ist in vollem Gange. Ständig vernehmen wir Pressemeldungen wie gut es der Saarwirtschaft geht. Die Zahl der Arbeitslosensei ebenfalls am sinken.
Wenn Landespolitiker heute behaupten, der Arbeitsmarkt sei top und das Wirtschaftswachstum sei ein Ergebnis der Maßnahmen der Landesre-gierung, dann sollte er uns diese Maßnahmen einmal nennen.
Dabei interessiert auch, wo die im Wahlkampf angekündigten 60.000 neuen Ersatzarbeitsplätze für die wegfallenden Arbeitsplätze im Bergbau und in den Zulieferbetrieben entstanden sind. Denn eins ist klar:

Schulschließungen, Grubenschließungen, Stilllegungen von Kraftwerken, der Renovierung des Landtages, der Neubau von Ministerien und Museums-Pavilions führen nicht zu Wirtschaftswachstum. Der Verdacht liegt nahe dass diese Arbeitsmarktstatistik im Saarland wohl schön gerechnet ist. In der Arbeitslosenstatistik tauchen derzeit die Empfänger von Arbeitslosen-geld (ALG) nicht auf. Dies geht aus der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesarbeitsministerium hervor.
In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit zählen nur Personen als
arbeitslos, die bestimmte Kriterien erfüllten:
Sie müssten sich arbeitslos gemeldet -
- und ohne Beschäftigung sein, -
- Arbeit suchen und -
- dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
Ein Viertel der Bezieher von Arbeitslosengeld I, sowie mehr als die Hälfte aller Empfänger von Arbeitslosengeld II sind demnach nicht als arbeitslos verzeichnet. Unter anderem werden Arbeitnehmer, die mit der so genannten "58er-Regelung" aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sind, aber bis zum Erreichen des Rentenalters Arbeitslosengeld I beziehen, und Menschen, die an Trainingsmaßnahmen der Bundesagentur teilnehmen oder arbeitsunfähig erkrankt sind, in der Arbeitslosenstatistik nicht erfasst.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht November 2007 Das Rechenbeispiel für August 2007 zeigt, dass die Zahl derer, die keinen festen Job haben, weitaus höher liegt, als die offiziell verkündeten 3,7 Millionen. Die Bundesagentur veröffentlicht diese Zahlen in ihren gut 50 Seiten umfassenden monatlichen Abschlussberichten. Nur wer weiß, wo er suchen muss, findet sie. 1. Die Rolle der "Stillen Reserve" Die amtliche Arbeitsmarktstatistik ist schon deshalb nicht ganz ehrlich, weil es weiterhin eine so genannte „Stille Reserve" an eigentlich Arbeitslosen gibt, die dennoch nicht gezählt werden. Dazu gehören z. B.: » durch den Verlust ihres Arbeitplatzes entmutigte Arbeitskräfte, » Rentner, die aus Arbeitsmarktgründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, » Schüler und Studenten, die aufgrund schlechter Arbeitmarktbedingungen ihren Abschluss hinauszögern, » Teilnehmer an bestimmten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, insbesondere: (Vollzeit-) Weiterbildungsmaßnahmen (FbW), Rehabilitation, Altersübergangsgeld/Vorruhestandsgeld-Ost, » ältere Arbeitslose, die nach § 428 SGB III der Arbeitsvermittlung nicht mehr zur Verfügung stehen, und » die Teilnehmer von Trainingsmaßnahmen.
Schaut man an sich die ehemaligen Bergbaustandorte an, so stellt man schnell fest, dass dort, wo einst 3500 Menschen arbeiteten, heute Gewerbeflächen brach liegen. (z.B. in Camphausen, Gewerbefläche mit Autobahnanbindung ver-gammelt seit der Grubenschließung). Gleiches zählt für Luisenthal, Warndt und Göttelborn.

Ende der 80ger Jahre gründete ich die Initiative Kohle und Stahl. Ziel war damals wie heute: Erhalt der Arbeitsplätze in der Montanindustrie an der Saar. Beim Stahl ist dies gelungen. Der Bergbau soll nach dem Willen der Landesregierung im Jahr 2012 enden. Die Podiumsdiskussion in der Fischbachhalle wurde von über 1100 Interessierten verfolgt. Dem Podium gehörten u.a. Reinhard Klimmt, Peter Müller, Hubert Ulrich, Christiane Krajewski und Prof. Klaus Töpfer an.
Fazit: Eine Hand voll Ersatzarbeitsplätze (Gondwanapark Reden, Photovoltaikanlage Göttelborn oder Meeresfischzucht- und Biogasanlage in Völklingen) fangen die wegfallenden Arbeitsplätze niemals auf.
Rechnet man also die Ein-Euro-Jobber, Harz IV-Empfänger und Erwerbsunfähigen zu den Arbeitssuchenden hinzu, sieht es gar nicht mehr so rosig aus im Land der Schwenker und Laternen.
Durch das Bergbauende verschwindet auch der größte Arbeitgeber unseres Landes. Das Unternehmen RAG ist immer noch einer der größten gewerblichen Ausbildungsbetriebe in der Region und gibt jungen Menschen eine berufliche Perspektive für die Zukunft . Mit dem Kohleausstieg wird auch einer der größten Auftragsgeber der Region nicht mehr vorhanden sein.

Mit unzähligen Aktionen forderte eine große Solidargemeinschaft bestehend aus Bergleuten, Beschäftigten der Zulieferindustrie, Dienstleister, Kirchen und Traditionsvereine eine Perspektive für den Bergbau an der Saar
Durch den Wegfall der Arbeitsplätze wird die Kaufkraft zurückgehen, und das nicht nur im Bergbau. Auch in der Kraftwirtschaft, bei den Dienstleistern und in den Zulieferbetrieben geht die Anzahl der Beschäftigten zurück. Durch die schlechten Rahmenbedingungen werden Unternehmen abwandern und junge Familien das Saarland verlassen.
Statt Eigenlob sind hier dringend Taten gefordert. War es nicht der jetzige Ministerpräsident, der 1999 im Wahlkampf 35.000 neue Arbeitsplätze für das Saarland ankündigte? Heute appeliert er an die jungen Facharbeiter der RAG, sich doch in Nordrhein-Westfahlen nach einem Ersatzarbeitsplatz umzu-sehen. Eine Tatsache, die im Aufsteigerland jeden nachdenklich stimmen sollte.

Die Proteste und Gespräche, hier mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller in der Staatskanzlei, waren am Ende ergebnislos verlaufen. Entgegen der Entwicklung auf dem Weltenergiemarkt soll der steinkohlebergbau im Saar-land Ende 2012 beendet werden. Sozialverträglich für die Bergleute - mit Zukunftsängsten für die Bergbauzulieferer