Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander/Kinderarmut besorgnis- erregend! Gleiche Bildungschancen für alle!
Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander. Hier ist die Politik gefordert gegen zu steuern - oder stimmt etwas nicht am System?
Statt um Mandate und Pöstchen zu buhlen sollte man sich einmal darüber Ge-danken machen, was es heißt, wenn Mitbürger am Monatsende nicht mehr wissen:
- ob noch genug Geld vorhanden ist, um Nahrungsmittel einzukaufen.
- woher sie das Geld nehmen sollen um die Miete zu bezahlen.
- man sich Gedanken machen muss, womit der Brennstoff für den Winter finanziert werden kann
- und wenn man am Monatsende nicht mehr weiß, ob das Geld reicht, um die Stromrechnung zu bezahlen.
"Volksvertreter" sollten auch wissen, wie demütigend es für Eltern ist, wenn sie ihrem Kind den Schulausflug nicht bezahlen können.
Oder Rentnerinnen und Rentner, die ein Leben lang arbeiteten, nun Angst um ihre armutsfeste Rente haben müssen.

Politik = Wasser predigen und Wein trinken!
Es ist ein trauriger Zustand, wenn Menschen, die arbeitslos geworden sind, nun feststellen, dass die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes erheblich gekürzt wurde und Hartz IV, in das sie nach einem Jahr hinein fallen, sie dann zu Be-dingungen zwingt, einer Arbeit nachzugehen, zu denen sie vorher niemals ar-beiten mussten.
Zudem greift man den Menschen in die Tasche und bedient sich an ihrem Ver-mögen, das sie fürs Alter gespart haben.
Und unsere Kinder stehen ebenfalls vor einer ungewissen Zukunft. Studien belegen, dass auch die Kinderarmut zunimmt. Rund 2,5 Millionen Kinder in Deutschland sind davon bereits betroffen. Diese Kinder sind sowohl beim Schulmittagessen benachteiligt als auch bei den Bildungsvoraussetzungen in der Schule.
Demokratie fängt im Kleinen an!
Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der die Kinder und Jugendlichen ihre Interessen selbst vertreten. Weil sie das können. So können sich Kinder und Jugendliche beteiligen, wenn es um ihre Schule geht, ein Spielplatz für sie geplant werden soll oder ein Jugendzentrum entsteht.
Sie decken als Stadtteildetektive Missstände auf, machen bei Zukunftswerk-stätten mit oder sind Mitglied in einem Kinder- und Jugendparlament. Das Spektrum, wie und woran Kinder und Jugendliche mitwirken können, ist groß. Doch ist dies von unseren Politikern gewollt?
Fünf Jahre nach Beginn des UN-Kindergipfels in New York stellt das Deutsche Kinderhilfswerk fest, dass sich trotz zahlreicher Versprechungen wenig in Richtung eines kinderfreundlichen Deutschlands getan hat. Die Bundesregierung wird aufgefordert, zügig ihre Verpflichtungen aus dem Nationalen Aktionsplan für ein kindergerechtes Deutschland zu erfüllen.
Denn insbesondere auf den Handlungsfeldern Chancengerechtigkeit durch Bildung, Förderung eines gesunden Lebens und gesunder Umweltbedingungen, Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sowie Entwicklung eines angemessenen Lebensstandards für alle Kinder sind bis heute kaum messbare Fortschritte erkennbar. Im Gegenteil: Bei der Kinderarmut hat sich die Situation drastisch verschärft, heute leben mittlerweile 2,5 Millionen Kinder unter 18 Jahren in Armut, und das in einem der reichsten Länder der Erde.
Von Chancengerechtigkeit in der Bildung sind wir meilenweit entfernt, wie die PISA-Studien und der Munoz-Bericht leider eindrucksvoll darlegen. Auch um die Gesundheit unserer Kinder steht es nicht zum Besten: Unsere Jüngsten werden immer dicker und leben immer ungesünder. Die verschiedenen Aktionsprogramme der Bundesregierung laufen oft ins Leere, weil Kinder und Jugendliche nicht an der Entwicklung solcher Programme beteiligt werden! Deutschland ist seinem selbst gesteckten Ziel eines kinderfreundlichen Landes in den letzten Jahren keinen Schritt näher gekommen. Deshalb sollte die Bundesregierung ihre Bemühungen in dieser Hinsicht so schnell wie möglich intensivieren.
"In Deutschland ist jedes fünfte Kind arm"
Das sagt der Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
"Jedes sechste Kind in Deutschland ist von Armut betroffen."
Das sagt der Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland von Unicef aus Mai 2008.
"Jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahre alte Jungendliche lebt in materieller Not oder ist davon bedroht."
Das erklärt die Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jungendhilfe (AGJ) Anfang Juni 2008.
Ich sage: Jedes arme Kind ist ein Kind zuviel in der Statistik! - Kinder sind die Zukunft unseres Landes, Kinder sind die Zukunft unserer Erde. Kinder-Armut dürfte es deshalb nicht geben. Doch Kinderarmut ist real, nicht nur in der sogenannten Dritten Welt, sondern auch bei uns, mitten in Deutschland - mitten im Saarland!
Mitte November 2007 ist der Kinder-Report 2007 des Deutschen Kinderhilfs-werks im Velber Verlag mit der ISBN-Nummer 978-86613-417-1 erschienen. Der Kinderreport 2007 stellt zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze zusammen und fokussiert die Lebensräume sozial benachteiligter Kinder, arbeitet die Aspekte Kinderarmut, Medien, Gesundheit, Ernährung und Migrationshinter-grund heraus.
Der Kinder-Report 2007 gliedert sich wie folgt:
A. Die Fakten der Kinderarmut
14 % aller Kinder gelten offiziell als arm. Das ALG II wurde am 01.01.2005 eingeführt. Es resultiert aus der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe und wird an bedürftige erwerbsfähige Menschen gezahlt, die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben. Seit der Einführung dieses ALG II hat sich die Zahl der auf Sozialhilfe oder Sozialgeld angewiesenen Kinder auf mehr als als 2,5 Millionen verdoppelt.
Heute ist jedes 6. Kind unter 7 Jahren auf Sozialhilfe angewiesen. Besonders betroffen sind Kinder aus Einwandererfamilien. Die Folgen sind nicht nur finanzieller, sondern auch gesundheitlicher Art. So ist jedes 3. Kind schon bei seiner Einschulung therapiebedürftig.
Es wird geschätzt, dass 5,9 Millionen Kinder in Haushalten mit einem Jahreseinkommen der Eltern von bis zu 15.300 Euro leben. Das sind ca. 1/3 aller kindergeldberechtigten Kinder.
Fazit: Die materielle Armut von Kindern hat sich etwa alle 10 Jahre verdoppelt. Doch die Armutsspirale dreht sich weiter, wie der neueste, der 3. Armutsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 zeigt. Danach sind 13 Prozent der Deutschen arm. Noch einmal soviel Bundesbürger müssen mit staatlichen Leistungen vor dem Abstieg in die Armut bewahrt werden... B. Die Auswirkungen der Armut auf die Kinder Bei den sozial benachteiligten Kindern ist zu beobachten, dass sie
• sich ungesünder ernähren.
• sich weniger bewegen.
• immer häufiger in isolierten Wohnvierteln unter sich bleiben.
• keine guten Schulen besuchen.
• nur mangelhafte Ausbildungsmöglichkeiten haben.
• keine ausreichend soziale Unterstützung haben.
• Es entwickeln sich "Armutskarrieren".
Die fehlenden Bildungschancen führen dazu, dass wichtige Potenziale der Kinder und Jugendlichen verloren gehen. Das habe auch mittelfristig gravierende Folgen auf die volks-wirtschaftliche Leistung. Jedes 3. Kind wies im Jahr 2004 bei seiner Einschulung therapiebedürftige Entwicklungsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten auf. Jedes 4. Schulkind habe die Schule "ohne Beherrschung des Mindestmaßes an Kulturtechnik" verlassen, die selbst Hilfsarbeiten erfordern. Die Tendenz ist stark steigend. Deutschland habe wegen seiner "Familienverarmung und Bildungsverarmung" in den Industrienationen eine negative Spitzenstellung. Fazit: Kinderarmut ist mehr, als nur wenig Geld zu haben. Armut ist erblich, so das Deutsche Kinderhilfswerk.
Ursachen der Kinderarmut Die Ursachen der Familienarmut sei - so das Deutsche Kinderhilfswerk - im deutschen Steuer- und Sozialsystem zu finden. Familien müssten ein Übermaß an öffentlichen Abgaben tragen. Laut Familienbericht von 2006 betrugen die öffentlichen Ausgaben für Familien im EU-Durchschnitt 2,1 % des Bruttoinlandsprodukts. In Deutschland erreiche dieser Wert lediglich 1,9 %. D. Die Forderungen des Deutschen Kinderhilfswerks Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert einen "schnellen und radikalen Paradigmenwechsel in der Familien- und Kinderpolitik". Im einzelnen fordert das Deutsche Kinderhilfswerk von der Bundesregierung ein nationales Programm zur Bekämpfung von Kinderarmut sowie ein Maßnahmenpaket mit Zielvorgaben. Der Gesetzgeber müsse zudem die im Steuersystem verankerte Benachteiligung von Familienhaushalten mit Kindern aufheben und das Kindergeld zu einer eigenständigen Kindergrundsicherung ausbauen.
Es müssten zudem flächendeckend Betreuungsangebote für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr geschaffen werden. Auch Kinder mit Migrationshintergrund bräuchten eine bessere Förderung. Nähers zum Kinderreport 2007 beim Deutschen Kinderhilfswerk. Der 2. Armutsbericht der Bundesregierung 2005 klärt auf: "Rund 1,1 Mio. Bezieherinnen und Bezieher von Sozialhilfe sind Kinder unter 18 Jahren. Mit einer Sozialhilfequote von 7,2% (Ende 2003) weisen sie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (3,4%) einen deutlich höheren Hilfebedarf auf. 55% von ihnen leben in Haushalten von allein Erziehenden und nur 35% in Zwei-Eltern-Familien. Unverändert bestehen gegenüber 1998 deutliche Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Familienhaushalten. Während nach wie vor der überwiegende Teil (60%) der deutschen Kinder mit Sozialhilfebezug aus allein erziehenden Haushalten stammte, galt dies nur für 35% der ausländischen Kinder mit Sozialhilfebezug." Und weiter: "Das Heranwachsen der Kinder von der frühen Kindheit bis zum Grundschulalter verändert die allgemeinen Lebensumstände. Durch Kindergarten und später durch die Schule verändern sich die Zeitstrukturen des Familienlebens. Kinder wenden sich Gleichaltrigen zu. Ein großer Teil der Mütter kehrt ins Erwerbsleben zurück und nimmt eine Teilzeittätigkeit auf, wenn das Kind im Kindergartenalter ist.
Kinder unter sieben Jahren sind in deutlich überproportionaler Häufigkeit auf Mindest-sicherungsleistungen angewiesen. Das bedeutet, dass diese Kinder arme Kinder sind! Gleichzeitig werden gerade in dieser Zeit die Grundlagen des Lebens- und Bildungsweges eines Kindes geprägt. Familien mit geringem Einkommen sparen am ehesten an kulturellen und sozialen Bedürfnissen, die über den Grundbedarf der Kinder hinausgehen. In der Folge können Ausgrenzungserscheinungen entstehen. Eltern machen bei den Ausgaben für den privaten Konsum häufig zuerst bei sich selbst Abstriche, bevor Einschränkungen auch die Kinder betreffen. Kinderarmut im Sinne materieller Unterversorgung steht erst am Ende einer von den Eltern nicht zu bewältigenden wirtschaftlichen Situation. Kinder mit erhöhtem Armuts-risiko haben häufiger als nicht arme Kinder gesundheitliche Probleme oder sind in ihrer körperlichen Entwicklung zurückgeblieben. Weitere Merkmale der Ausgrenzung armer Kinder können unregelmäßige Zahlungen von Essensgeld in Kinderbetreuungseinrichtungen, mangelnde körperliche Pflege, Auffälligkeiten im Spiel- und Sprachverhalten oder geringere Teilnahme am Gruppenge-schehen sein. Im frühen Grundschulalter setzen sich diese Ausgrenzungs-erscheinungen fort. Armutsfolgen zeigen sich am deutlichsten im Schulerfolg und in der schulischen Laufbahn. Zentrale Ursachen hierfür sind in vielen Fällen:
• eine verspätete Einschulung, Leistungsprobleme,
• mangelnde deutsche Sprachkenntnisse,
• eine fehlende Integration in die Klassengemeinschaft
• und eine geringe Förderung durch die Eltern.
Durch die durchschnittlich schlechtere Lebenssituation der Familien bezogen auf z.B. die Wohnsituation, niedrigere Schul- und Berufsabschlüsse, höhere Arbeitslosigkeit sind nicht-deutsche Kinder stärker beeinträchtigt als deutsche Kinder. Dadurch bedingt stehen den armen Kindern geringere Entfaltungs- und Entwicklungsräume zur Verfügung.
Die Lebenssituation der Migrantenfamilien ist allerdings nicht homogen. Die Einschränkung der Teilhabe an materiellen und immateriellen Ressourcen der Gesellschaft schränkt die Teilhabe- und Verwirklichungschancen von Kindern und Jugendlichen für eine selbst bestimmte Entwicklung sowie die soziale Positionierung im späteren Berufsleben ein. Einkommensarmut führt jedoch nicht zwangsläufig zu eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten des armen Kindes. Faktoren, die die potenziell ungünstigen Wirkungen prekärer Lebensverhältnisse besonders in den ersten Lebensjahren abfedern, sind:
• ein gutes Familienklima,
• ein fördernder Erziehungsstil der Eltern,
• eine positive Eltern-Kind-Beziehung,
• ein förderndes Umfeld
• sowie das Vorhandensein möglichst stabiler familiärer und sozialer Netzwerke.
Ein frühzeitiger und dauerhafter Kindergartenbesuch ist für eine spätere positive schulische Entwicklung förderlich. Bei Kindern mit Migrationshintergrund sind deutsche Sprachkennt-nisse mindestens eines Elternteils ein wichtiger Faktor.
Zentrale Ressourcen der Eltern zur erfolgreichen Bewältigung dieser Familienphase sind dabei z.B. die schulische und berufliche Qualifikation möglichst beider Elternteile, ausreichende soziale und kulturelle Kompetenzen, gute Deutschkenntnisse oder ein gut ausgebautes Kinderbetreuungssystem." Die Zusammenfassung sagt zu den Lebenslagen von Kindern und Familien: "Für die große Mehrheit der Menschen ist die Familie mit unterschied-lichen Formen des familiären Zusammenlebens die attraktivste Lebensform. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt in Familien. Drei Viertel sind „herkömmliche“ Familien mit verheirateten Eltern oder Stiefeltern. Daneben wächst die Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern und der allein Erziehenden stetig an. Rund 80% der Kinder wachsen bei ihren beiden leiblichen Eltern auf. Zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen in der Entwicklung der Familienformen und Kinderzahlen teils beträchtliche Unterschiede. Die Zahl der Geburten und der minderjährigen Kinder ist aber insgesamt weiter rückläufig. Kinderlosigkeit ist vor allem dort ein verbreitetes Phänomen, wo kein Armutsrisiko besteht. Die Mehrzahl der Familien lebt in sicheren materiellen Verhältnissen und ist mit ihrer Lebenssituation zufrieden. Es kommt jedoch auch zu prekären Lebenslagen, die durch externe Ereignisse und nicht bewältigte Übergänge im Familienleben gestört werden können. Der zu beobachtende Anstieg der Armutsrisikoquote von Familienhaushalten bringt dies zum Ausdruck. Im Vergleich zu 1998 ist sie von 12,6% auf 13,9% gestiegen - etwas geringer als bei den Haushalten ohne Kinder. Das Risiko für Einkommensarmut unter Kindern (bis unter 16 Jahre) liegt 2003 ebenso wie im Jahr 1998 etwas höher als in der Gesamtbevölkerung, hat sich aber dem Gesamt-durchschnitt leicht angenähert. Die relative Einkommensarmut in Paarhaushalten mit Kindern hat sich günstiger entwickelt als in der Gesamtbevölkerung, ebenso bei den allein Erziehenden - allerdings auf hohem absoluten Niveau. Die Leistungen des Familienleistungsausgleichs im weiteren Sinne (Kindergeld, Erziehungsgeld, Unterhaltsvorschuss und BAföG), reduzieren die relative Einkommensarmut von Familien deutlich. Bei allein Erziehenden wird allein durch Familienleistungen eine Reduzierung um 15 Prozentpunkte erreicht.
Das Armutsrisiko von Kindern wird durch Familienleistungen um 9 Prozentpunkte gesenkt. Deutlich sichtbar werden hier die Effekte des mehrmals erhöhten Kindergeldes.
• Arbeitslosigkeit,
• niedriges Erwerbseinkommen
• und eine geringe Arbeitsmarktintegration von Müttern sind wesentliche Armutsrisiken, die durch zielgerichtete finanzielle staatliche Transferleistungen in begrenztem Umfang ausgeglichen werden können. Als Umstände, die eine niedrige Erwerbsbeteiligung beider Elternteile bzw. des allein erziehenden Elternteils fördern, erweisen sich die Erziehung kleiner oder mehrerer Kinder sowie mangelnde Betreuungsangebote für Kinder.
Ein geringer Bildungsstand der Eltern, mangelnde Sprachkenntnisse, das Ausbleiben von Unterhaltszahl-ungen nach Trennung und Scheidung sowie mangelnde Kompetenzen im Haushalts- und Zeitmanagement sind weitere Risikofaktoren für Familien. Trotz der sehr guten quantitativen Versorgung bei der Kinderbetreuung für unter Dreijährige in den neuen Ländern liegt Deutschland insgesamt mit einer Betreuungsquote von 8,6% deutlich hinter Ländern wie Schweden, Dänemark oder Frankreich zurück. Dies und die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern niedrigere Erwerbstätigkeit von Müttern macht ein Umsteuern der Familienpolitik notwendig. Neben der Integration insbesondere der Mütter in den Arbeitsmarkt sowie der Verfügbarkeit öffentlicher und privater Transferleistungen (Unterhalt) zählen Bildung, Haushalts- und Familienkompetenzen, ein gutes Zeitmanagement sowie funktionierende soziale Netzwerke zu den wichtigen Ressourcen, mit denen Familien auch in „kritischen“ Übergangsphasen des Familienlebens eine eigenverantwortliche Lebensge-staltung realisieren und Armut vorbeugen können." Deutschland liegt für Kinder nur im Mittelfeld - Unicef-Studie 2007 Die neueste Studie des UN-Kinderhilfswerks Uincef arbeitete heraus, dass die Lage der Kinder in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrienationen nur durchschnittlich ist.
Die Situation der Kinder wurde anhand von 6 Bereichen verglichen:
• materielle Situation
• Gesundheit
• Bildung
• Beziehungen zu den Eltern und Gleichaltrigen,
• Lebensweise und Risiken
• eigene Einschätzung der Kinder und Jugendlichen.
Deutschland findet sich beim Vergleich der 25 untersuchten Länder auf Platz 11. Schweden, Norwegen und Finnland stehen an der Spitze der Statistik. Die Niederlande und Tschechien belegten ebenfalls sehr gute Plätze. Zusammenfassend die Ergebnisse aus der Perspektive Deutschlands:
• Als Anlass zur Besorgnis gebend bewertet die Studie das Risikoverhalten Jugendlicher in Deutschland. Deutschland belegt hier vor Großbritannien den vorletzten Platz. Die Gründe sind im Rauchen und Alkoholkonsum der deutschen Jugendlichen zu finden. In Deutschland rauchen mehr als 16 % der 15-Jährigen mindestens einmal pro Woche - in keinem anderen Land rauchen so viele junge Menschen. Hinsichtlich ihres Alkoholkonsums geben in Großbritannien fast ein Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen an, bereits zweimal oder öfter betrunken gewesen sein. In Deutschland sind es etwa 17 % – in Frankreich und Italien unter 10 %.
• Außerdem beklagten etwa 40 % der befragten Kinder und Jugendlichen, dass ihre Eltern mit ihnen nicht richtig redeten. Das ist für diesen Bereich der letzte Platz für Deutschland im internationalen Vergleich. Die Vorsitzende von Unicef Deutschland kommentierte diese Punkte wie folgt: "Das sind gerade Faktoren, die über das Wohlbefinden eines Kindes fast mehr sagen als die Tatsache, wie viel Geld man in den Händen hat."
• Erschreckend niedrig sind die Erwartungen, mit denen deutsche Jugendliche ihre berufliche Zukunft sehen. Mehr als 30 % der 15-Jährigen gehen davon aus, keine qualifizierte Arbeit zu finden. Deutschland liegt bei diesem Vergleichspunkt auf Platz 20 von 25 Industriestaaten. Die Bereitschaft Deutschlands in den Bereich der frühkindlichen Betreuung zu investieren, liegt im inter-nationalen Vergleich auf dem letzten Platz. Also: Die Wirtschaftsleistung eines Landes ist nicht alleinentscheidend für die Lage der Kinder. Tschechien schneitet hinsichtlich der materiellen Lage von Kindern besser ab als reichere Staaten wie Deutschland, Italien, Japan oder die USA. Um hier gegen zu steuern müssten mehr Ganztagsschulen, mehr Angebote für frühkindliche Betreuung und eine Einbeziehung der Kinder in die Politik durch Kinder- und Jugendräte geschaffen werden. Im einzelnen fordert Unicef, dass
• Kinderkrippe, Kindergarten und Schule bedürfnisorientiert für Kinder und Eltern organisiert werden müssen: Schaffung von Ganztagsschulen, gezielter Ausbau von Bildungs- und Förderangeboten für benachteiligte Familien.
• Bildungs- und Förderangebote zur Integration von Kindern nichtdeutscher Herkunft und weiteren Kindern aus benachteiligten Familien ausgebaut werden.
• die städtischen Kommunen der Ghettobildung entgegenwirken und jene Eltern halten, die jetzt mit ihren 4- bis 7-Jährigen Kindern die Städte verlassen. Nur wenn Kinder unterschiedlicher ethnischer Hintergründe gemeinsam lernen können, so Unicef, lässt sich das Auseinanderdriften der Gesellschaft bremsen. die Politik ihren zersplitterten, an einzelnen Ressorts orientierten Ansatz aufgibt und Kinder in den Mittelpunkt stellt. Die Aufnahme der Kinderrechte in die Verfassung und ein Kinderrechtsbeauf-tragter auf Bundesebene könnten, so Unicef, diese Politik stärken. Positive Ergebnisse gibt es nach der Studie allerdings für Deutschland auch. Zu nennen ist, dass die Aggressivitätsrate unter Kindern und Jugendlichen vergleichsweise gering ausfällt.
Quelle: unicef.de 2006: Daten zur Armut
Das Statistische Bundesamt hat im Jahr 2004 eine Statistik zu Armut und sozialer Ausgrenzung in Europa erhoben. An der Untersuchung "Leben in Europa" haben sich 14 europäische Länder beteiligt. Das Statistische Bundesamt hat 13.000 deutsche Haushalte über ihre Einkommensverhältnisse befragt. Im Dezember 2006 wurden die Ergebnisse für Deutschland vorgestellt: 13 % der deutschen Bevölkerung war im Jahr 2004 armutsgefährdet - das sind 10,6 Mio Menschen, darunter 1,7 Mio Kinder unter 16 Jahren.
Die Armutsgefährdungsquote liegt in den neuen Ländern bei 17 %, in den alten Bundesländern bei 12 %. Armutsgefährdungsquote ist der Anteil der Personen, der mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens auskommen muss. Die Armtusgefährdungsquote wird nach einem europäischen Standard unter Heranziehung des von allen Haushaltsmitgliederen tatsächlich erzielten Haushaltseinkommens ermittelt. Das Einkommen wird nach einem Gewichtungs-schlüssel, der durch das Zusammenleben bedingte Einspareffekte bei den laufenden Kosten berücksichtigt, auf die Haushaltsmitglieder verteilt. Daraus wird das mittlere Einkommen berechnet. Armutsrisiken sind hauptsächlich Arbeitslosigkeit und fehlende Bildungsabschlüsse. Über 40 % der Arbeitslosen und 25 % der Personen ohne abgeschlossene Schulausbidlung sowie 25 % der Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind armutsgefährdet. Dagegen sind von der erwerbsfähigen Personen nur 5 % von Armut bedroht.
Die sozialen Transferleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld ver-hindern, dass 24 % der Bevölkerung armutsgefährdet sind. Bei allein Erziehenden ist dies noch gravierender: ohne Sozialtransfers wären 56 % armutsgefährdet, mit den Sozialtrans-fers sind es tatsächlich aber immerhin noch 30 %. Wie sieht die Armutsgefährdungsgrenze nun in Euro aus?
Für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt sie bei 1798 Euro. Bei einer allein Erziehenden Mutter mit einem Kind unter 14 Jahren markieren 1113 Euro die Armutsge-fährdungsgrenze. Für allein Stehende: 856 Euro. Weitere Fakten: 56 % der Befragten gaben an, sich keinen Urlaub leisten zu können. 14 % müssen bei der Heizung sparen und beheizen die Wohnung im Winter nicht richtig. 20 % der Befragten gehen bei Erkrankungen nicht zum Arzt. Der europäische Vergleich: In Irland, Portugal und der Slowakei sind 21 %, in Spanien 20 % und in Italien 19 % der Menschen armutsgefährdet. In Frankreich mit 14 % und Österreich mit 13 % liegen die Werte der Armutsgefährdung auf einem mit Deutschland vergleichbaren Niveau. Deutlich niedriger ist die Armutsgefahr mit einer Armutsgefähr-dungsquote von jeweils 11 % in den Ländern Skandinaviens sowie in Luxemburg. Hartz IV und Armutsgefährdung? Hierzu geben die Daten keine Auskunft, da die Erhebung auf Zahlen des Jahres 2004 beruht, in jenem Jahr die Hartz IV Reform noch nicht in Kraft war.
Kinderarmut in reichen Ländern steigt Internationale UNICEF-Vergleichsstudie: Zunahme in Deutschland höher als in den meisten OECD-Staaten In den meisten reichen Nationen wächst der Anteil der Kinder, die in Armut leben. Eine neue UNICEF-Studie zeigt, dass sich die Si-tuation von Kindern in 17 von 24 OECD-Staaten verschlechtert hat. Mit 2,7 Prozentpunkten ist Kinder-armut in Deutschland seit 1990 stärker gestiegen als in den meisten anderen Industrienationen. Jedes zehnte Kind lebt hierzulande in relativer Armut, das sind mehr als 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. In den OECD-Staaten insgesamt wachsen über 45 Millionen Kinder in einer Familie auf, die mit weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen muss. Deutliche Unterschiede zwischen den reichen Ländern Der UNICEF-Vergleich zeigt krasse Unterschiede zwischen den reichen Ländern auf. Am niedrigsten ist die Kinderarmut in Dänemark und Finnland (unter drei Prozent).
Besonders hoch ist der Anteil armer Kinder in den USA (über 20 Prozent). Deutschland liegt im Mittelfeld auf Platz 12. Vergleicht man die Entwicklung der Kinderarmut seit 1990, fällt Deutschland aber auf Platz 18 von 24 OECD-Staaten zurück. Die Rate der Kinderarmut wächst hierzulande schneller als unter Erwachsenen und Kinder sind häufiger von Armut betroffen. Vor allem Kinder aus Zuwandererfamilien und Kinder Alleinerziehender leiden unter Armut. 40 Prozent der Kinder Alleinerziehender sind arm.
„Kinder sind in Deutschland kein Armutsrisiko. Alarmierend aber ist die überdurchschnittliche Armut von Kindern Alleinerziehender und aus Zuwandererfamilien“, sagte Reinhard Schlagint-weit, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. „Die Bundesregierung sollte mehr tun, um ein Auseinanderdriften der Gesellschaft zu verhindern - auch auf dem Gebiet der Bildung.“.
„Die Regierungen haben es selbst in der Hand, ob Kinder in Armut aufwachsen müssen. Sie können ihre großen Probleme wie Arbeitslosigkeit nur in den Griff bekommen, wenn sie Kinder vor Ausgrenzung und Benachteiligung insbesondere bei der Ausbildung bewahren“, sagte Peter Adamson, der Autor der internationalen UNICEF-Studie. Die UNICEF-Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen der Höhe staatlicher Aufwendungen und der Kinderarmut.
In Ländern wie den USA und Italien, die weniger als fünf Prozent ihres Bruttosozialprodukts in Sozialleistungen investieren, leben über 15 Prozent der Kinder in relativer Armut. Staaten, die wie Dänemark, Schweden, Finnland oder Belgien mehr als zehn Prozent ihres Bruttosozial-produkts für Sozialleistungen ausgeben, schaffen es durchweg, Kinderarmut auf unter zehn Prozent zu drücken. Deutsche Zusammenfassung der UNICEF-Studie Gleiche Ausgaben - unterschiedliche Wirkungen Doch die Höhe der Sozialausgaben entscheidet nicht allein über das Ausmaß von Kinderarmut. So geben zehn OECD-Länder, darunter auch Deutschland, einen ungefähr gleich hohen Teil ihres Bruttosozialprodukts - zwischen sieben und zehn Prozent - für die soziale Absicherung von Familien aus.
Trotzdem gibt es zwischen diesen Ländern beträchtliche Unterschiede bei der Armutsrate: Sie variiert von 3,4 Prozent in Norwegen über 10,2 Prozent in Deutschland bis zu über 15 Prozent in Neuseeland und Großbritannien. Oft fließen Sozialausgaben aber vorwiegend in Altersvorsorge und das Gesundheitssystem. Kinderarmut in Deutschland Die vom RWI für UNICEF erstellte Teilstudie für Deutschland liefert erstmals eine Analyse der langfristigen Veränderungen von Kinderarmut auf der Basis von Haushaltsdaten. In Westdeutschland hat sich Kinderarmut seit 1989 demnach mehr als verdoppelt - von 4,5 Prozent auf 9,8 Prozent in 2001. In Ostdeutschland hat sich der Anteil armer Kinder auf 12,6 Prozent in 2001 erhöht.
Zwar reduziert die Bundesregierung durch Kindergeld, Steuererleichterungen und andere sozialpolitische Maßnahmen die Kinderarmut erheblich. Doch sie tut weniger als andere Staaten und das mit nachlassender Wirkung. Die Folge: Kinderarmut steigt in Deutschland schneller als die Armutsrate im Schnitt der Bevölkerung und Kinder sind häufiger arm als Erwachsene. Unter Kindern aus Zuwandererfamilien verdreifachte sich in den neunziger Jahren die Armutsrate von fünf auf 15 Prozent. Dieser Zuwachs trägt maßgeblich zum Gesamtanstieg bei. Am häufigsten von Armut betroffen sind die Kinder Alleinerziehender. Kinder Alleinerziehender sind nicht nur häufiger arm, sondern bleiben es auch über längere Zeiträume. Ihre Chance, der Armut wieder zu entkommen, liegt deutlich niedriger als bei allen anderen untersuchten Bevölkerungsgruppen.
Zum Vergleich: Paare mit bis zu zwei Kindern sind nur zu etwas mehr als drei Prozent von Armut betroffen. Armut grenzt aus Kinderarmut lässt sich nicht nur am Einkommen fest-machen. Kinder aus armen Familien sind in vieler Hinsicht benachteiligt und ausgegrenzt. Neben dem Mangel an materiellen Dingen fehlt es oft an Zuwendung, Erziehung und Bildung. Kinder aus armen Familien haben häufiger gesundheitliche Probleme - verursacht durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Sie können sich im Unterricht nicht konzentrieren und brechen öfter die Schule ab. Bei Kindern ausländischer Eltern kommen Sprachprobleme hinzu. Sie leben häufiger in beengten Wohnverhältnissen, in vernachlässigten Stadtteilen mit schlechten Schulen und unzureichenden sozialen Angeboten.
Mangelhafte Ausbildung und folglich schlechte Berufschancen sowie Teenagerschwanger-schaften zementieren Armutsbiografien. Was getan werden muss: Der UNICEF-Bericht gibt den Regierungen klare Empfehlungen, was sie tun sollten, um Kinderarmut wirksam zu be-kämpfen. • Jede Regierung muss ihre Haushalts- und Sozialpolitik nach den Bedürfnissen von Kindern ausrichten und dabei vor allem auf das Zusammenwirken der Faktoren achten, die das wirtschaftliche Wohlergehen von Kindern bestimmen: Familie, Markt und Staat.
• Für die Reduzierung von Kinderarmut muss jede Regierung Ziele und Zeitvorgaben festsetzen: Eine ähnliche Ausgangslage wie in Deutschland gibt es in Schweden. Mit seiner Sozialpolitik schafft es der Staat dort, Kinderarmut auf nur 3,4 Prozent zu senken, das ist ein Drittel der Rate in Deutschland.
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Zusammengefasst: Die Forderungen an die Politiker lauten:
- Anhebung der öffentlichen Ausgaben für das Bildungswesen und Gebühren- freiheit bei der vorschulischen Bildung und in der Schule
- Studiengebühren und G8 wieder abschaffen und Lehrpläne entrümpeln!
- Stärkung der frühkindlichen Förderung d.h. weiterer Ausbau der Kinder- tagesstätten zu Bildungseinrichtungen und Erleichterung des Zugangs
- Übernahme der Schülertransportkosten für alle Schulformen und eine echte Lernmittelbefreiung für Eltern.
- Gleiche Bildungschancen für alle Kinder
- Die Schaffung eines ausgewogenen Netzes von Ganztagsangeboten und Ganz- tagsschulen. Die Schule sollte ein Lern- und Lebensort für Kinder und Jugend- liche sein.
- Berufsausbildung und Berufsabschluss für alle. Jedem Schulabgänger, jeder Schulabgängerin einen Ausbildungsplatz und wer nicht ausbildet sollte zahlen.